Geheimnis des Glaubens - Eucharistische Handschriften aus der Kölner Dombibliothek

Aus Anlass des Eucharistischen Kongresses ist vom 5. Juni bis 29. September 2013 in der Kölner Domschatzkammer eine Ausstellung von sechs spätgotischen liturgischen Handschriften des ausgehenden 15. und frühen 16. Jahrhunderts zu sehen.

Köln, Dombibliothek, Cod. 225, O-Initiale.

Die Handschriften stammen bis auf das Graduale aus Groß St. Martin aus den Beständen der Kölner Dombibliothek. Entstanden sind die ausgestellten Codices zumeist in den Skriptorien Kölner Klöster, wie der Benediktinerabtei Groß St. Martin, dem Kreuzherrenkloster oder dem Fraterhaus St. Michael am Weidenbach. Bis gegen 1520 gab es hier eine rege Schreib- und Illuminiertätigkeit, die durch den sich allmählich durchsetzenden Buchdruck dann ein Ende fand. Alle ausgestellten Miniaturen und Texte haben eine eucharistische Thematik. 

Zu sehen ist ein Missale (Cod. 151), das wahrscheinlich für die 1475 gegründete Rosenkranzbruderschaft am Kölner Dominikanerkloster angefertigt wurde. Die Bruderschaft, der sogar Kaiser Friedrich III. sowie sein Sohn und Nachfolger Maximilian I. angehörten, war nach der Errettung der Stadt Köln vor der drohenden Belagerung durch das Heer Karls des Kühnen gegründet worden. Das Missale enthält Gebete, Lesungen und Gesänge für die Meßfeier an den Hochfesten und den wichtigsten Marienfesten. Die einzige Miniatur der Handschrift ist das auf der Seite neben dem Hochgebet »Te igitur« stehende Kanonbild mit der Kreuzigung Christi – eine für Missale seit Jahrhunderten übliche Gegenüberstellung. Unter dem Kreuz stehen Maria und Johannes. Ungewöhnlich ist, dass Maria statt in ein blaues in ein weißes Gewand gekleidet ist. Dies könnte eine Anspielung auf die bei Marienfesten vorgeschriebene liturgische Farbe sein.

Weitere ausgestellte Missalien sind das nur wenig früher (1473) im Skriptorium des Fraterhauses St. Michael am Weidenbach entstandene Missale der Maria-Magdalena-Bruderschaft an der Pfarrkirche St. Laurenz (Cod. 257) sowie der ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammende Codex 261. Während das Kanonbild des Missales aus St. Laurenz ebenfalls die Kreuzigung Christi zeigt, ist in der T-Initiale der anderen Handschrift die Gregorsmesse dargestellt. Die Legende erzählt, dass Papst Gregor der Große in der römischen Kirche Santa Croce in Gerusalemme das heilige Messopfer feierte. In dem Moment, in dem er die konsekrierte Hostie emporhob, sei über dem Altar Christus als Schmerzensmann erschienen und habe auf diese Weise den anwesenden Gläubigen die Wandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi veranschaulicht.

Das Antiphonar aus der Stiftung des Domherrn Brictius Eberauer (Cod. 225) entstand um 1520 im Skriptorium der Kölner Kreuzherren, deren Kloster sich unweit von St. Kolumba in der Streitzeuggasse befand. Es gehört zu einem Konvolut von fünf Antiphonaren, welche Antiphonen (Rahmen- und Kehrverse) und Responsorien (Wechselgesänge) enthalten, die vom Chor während der Stundengebete im Domchor vorgetragen wurden. Ausgestellt ist eine Seite mit einer Zierinitiale zum Fronleichnamsfest. Zwei Kerzen tragende Engel stehen vor einem Altar, auf dem eine Monstranz mit dem Allerheiligsten ausgesetzt ist.

Das Graduale aus Groß St. Martin (Cod. 1519) wurde im Jahr 1500 von dem Benediktinermönch Heinrich von Zonsbeck im Auftrag des Abtes für die Abteikirche niedergeschrieben. Die C-Initiale, die die Gesänge zum Fronleichnamsfest einleitet, schmückt eine Darstellung des Letzten Abendmahles.

Ein Sakramentar aus der Dombibliothek (Cod. 1513) rundet die Ausstellung liturgischer Schriften ab.